Gewusst Wie – Gestaltungsgrundlagen des Coverdesigns

28. Juni 2012
By Marcel Fenske-Pogrzeba
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Im letzten Beitrag haben wir Dir erklärt, wie man ein Konzept für ein eigenes Cover entwickelt. In diesem Beitrag betrachten wir die praktische Seite. Egal, ob Du das Cover analog oder digital anfertigst, die gestalterischen Anforderungen bleiben gleich. Deshalb haben wir ein paar grundlegende Regeln der Gestaltung zusammengestellt, an denen man sich orientieren kann.

Bevor Du mit der Gestaltung Deines Buchcovers beginnst, solltest Du Dir einige grundlegende Dinge überlegen:

  • Welches Format hat mein Buch?
  • Verwende ich Soft- oder Hardcover?
  • Wie groß sind die Beschnittränder?
  • Erstelle ich ein umlaufendes Cover oder möchte ich nur die Vorder- und Rückseite gestalten?
  • Liegen meine Bilder in der nötigen Qualität vor?  Und habe ich alle Rechte an den verwendeten Bildern?
Figur-Grund-Beziehung
Figur-Grund-Beziehung Dieses Gesetz beschreibt das Verhältnis von Vordergrund- und Hintergrundelementen. Die kleinere Fläche wird als Figur gesehen und rückt in den Vordergrund, die größere fungiert als Bildgrund. Praktisch heißt das: Das Element, dem Du die größte Aufmerksamkeit zukommen lassen möchtest, sollte sich deutlich vom Untergrund abheben. Natürlich kann dieses Verhalten des Gehirns auch dazu genutzt werden, den Leser zu verwirren und dadurch dessen Aufmerksamkeit zu erhöhen.
Figur-Grund-Beziehung Coverdesign

Bei diesem Cover verschwindet das eigentliche Objekt im Hintergrund. Erst auf den zweiten Blick hebt sich die Silhouette des Kopfes hervor. Auch beim längeren Hinsehen erfordert es etwas Konzentration, den Blick nicht in die Linien des Hintergrundes abschweifen zu lassen. Auf diese Weise wird der Betrachter gefordert und entwickelt eine Verbindung und Interesse für das Buch.

Gesetz der Nähe
Gesetz der Nähe Dinge, die räumlich nah beieinander liegen, werden von dem Betrachter als Einheit wahrgenommen. Demnach werden Dinge, die voneinander entfernt sind, als getrennt und unabhängig empfunden. Das kann genutzt werden, um strukturelle Zusammenhänge abzubilden und Zusammengehörigkeit zu unterstreichen oder zu negieren.
Gesetz der Nähe Coverbeispiel

Die Linien und einzelnen Textabschnitte dieses Covers bilden jeweils eine abgegrenzte Einheit. Hierdurch teilt sich das Cover in 4 Abschnitte, die der Betrachter für sich allein untersucht. Auf diese Weise wird beim Leser Interesse für das Cover geweckt, das Cover wird einprägsam.

Gesetz der Ähnlichkeit
Das Gesetz der Ähnlichkeit greift die Beobachtungsgabe des Betrachters auf. Optische Reize gleicher und ähnlicher Struktur, Form, Farbe oder Kontrast werden als zusammengehörig wahrgenommen werden.

In diesem Beispielcover wird die Ähnlichkeit der Elemente durch Form und Farbe bestimmt. Die schwarzen Kreise bilden eine Einheit und machen den Titel lesbar. Auch hier wird der Betrachter gefordert und muss sich auf das Spiel einlassen, den Titel zu entziffern. Damit wird dem Buch mehr Aufmerksamkeit zuteil.

Gesetz der Geschlossenheit
<Gesetz der Geschlossenheit Der Mensch neigt dazu, Lücken zu füllen und Formen zu ergänzen, um diese seinen Erfahrungen anzugleichen. Einzelne, unbekannte Formen können eine Einheit bilden, wenn Sie zusammen eine neue, bereits bekannte Form ergeben. Das kann man als Gestaltungsmittel nutzen, indem man zum Beispiel einzelne Teile weglässt oder Buchstaben durch Symbole ersetzt.
Gesetz der Geschlossenheit Beispiel

Bei diesem Cover formt das Gehirn aus der einfachen Linie und den Rändern des Buches einen ganzen Kopf, welcher den Weißraum des Covers ausfüllt. Obwohl das Bild fast nur aus einer leeren Fläche besteht, wirkt es nicht leer sondern perfekt ausgefüllt.

Gesetz der Erfahrung
Dieses Gesetz steht in enger Verbindung mit dem Gesetz der Geschlossenheit. Kennt der Betrachter eine Form oder ein Element, ergänzt seine Wahrnehmung fehlende Teile durch imaginäre Linien. Damit lassen sich Bilder und Logos interessanter für den Betrachter gestalten.
Gesetz der Erfahrung Beispielcover

Aus der Anordnung verschiedenfarbiger Punkte formt das Gehirn ein dreidimensionales Bild eines Totenschädels. Mit diesem Spiel der menschlichen Erfahrung und der sogleich daraus entstehenden Interpretation wird die Aufmerksamkeit des Betrachters geweckt.

Kontraste
Die Kontrastverteilung eines Bildes ist eines der wichtigsten Gestaltungselemente und sorgt für Spannung (starke Kontraste) oder Ruhe (geringe Kontraste). Die Beispiele unten sind von kontraststark bis kontrastarm sortiert und zeigen deutlich die Unterschiede. Während das Bild ganz links sofort auffällt, ist es gleichzeitig anstrengend für das Auge. Das Bild ganz rechts ist im Gegensatz dazu entspannend, aber gleichzeitig auch recht flau und langweilig.

Den Kontrasteffekt nutzt dieses Cover hervorragend. Aus dem starken Kontrast zwischen dem fast nicht lesbaren Text und der dunklen Fliege wird das menschliche Auge geradezu an das Cover gefesselt. Beim Versuch den Titel zu entziffern, springt der Blick immer wieder zu dem schwarzen Punkt zurück, sodass der Leser den Titel immer wieder von vorne lesen muss und er ihn sich automatisch einprägt.

Linienführung / Blickführung
Durch geschickt eingesetzte Bildführungselemente und eine gute Bildanordnung können optische Linien geschaffen werden. Diese optischen Linien leiten den Blick und helfen dem Betrachter bei der Orientierung. Sie führen durch das Bild hin zum Punkt des Interesses und verstärken damit die gewünschte Nachricht. Mit optischen Linien kann man folgende Effekte erreichen: 

  • Horizontale Elemente vermitteln Statik, Ruhe, Unveränderbarkeit, Harmonie.
  • Vertikale Elemente drücken Höhe, Stille und Stärke aus und sorgen für eine  Blickführung von oben nach unten.
  • Diagonale Elemente transportieren Energie, Bewegung, Anregung und führen den Blick zum Hauptobjekt.

Da das Auge gewohnt ist, Bilder von links nach rechts zu scannen, können durch die Spiegelung eines Bildes gegensätzliche Effekte bewirkt werden. So führt im Bild links der Stab aus dem Bild heraus, im Bild rechts in das Bild hinein.

Statt einem richtungsgebenden Objekt, wie einer Häuserwand formen hier die Buchstaben eine Linie, die den Betrachter zum eigentlichen Motiv leitet. Da die Linienführung der eigentlichen Leserichtung entgegen läuft, wird hier ein starker Kontrast erzeugt, der das Cover auffällig und einprägsam macht.

Nimm Dir Stift und Papier und beginne, Dir Skizzen zu machen. Es spielt erst einmal keine Rolle, ob Du ein Zeichentalent bist oder nicht. Probiere verschiedene Motive, teste die Aufteilung von Bildern, Text und grafischen Elementen.

Nachfolgend findest Du eine Liste von freien Programmen, mit denen Du Dein Cover gestalten kannst. Word und Paint stoßen bei der Covererstellung häufig an ihre Grenzen.

  • GIMP – ein kostenloses Programm für Grafikbearbeitung (ähnlich Photoshop)
  • Paint.Net – ein kostenloses Bildbearbeitungsprogramm
  • Inkscape – ein Programm zur Erstellung von Vektorgrafiken
  • Scribus – ein Satzprogramm, mit dem man Bild und Text optimal positionieren kann
  • Serif PagePlus – ein einfaches Satzprogramm
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