epubli-Autor im Fokus: J. Mertens
Was aus Kindern wird, die zu viele Horrorfilme schauen, zeigt der epubli-Autor J. Mertens. Schon als Kind begeisterte sich der 42-Jährige für Übernatürliches. Die Alterskontrollen austricksend schlich sich Mertens immer in die neuesten Zombiefilme und holte sich so die Inspiration für seine ersten Gespenstergeschichten. Dem Schreiben ist er bis heute treu geblieben. Bei epubli veröffentlichte Mertens bereits mehrere Publikationen zu den Themen Esoterik, Parapsychologie und Okkultismus. Darunter sind sowohl spannende Psychothriller als auch Sachbücher sowie eine Veröffentlichung von klassischen Traktaten der Alchemie, die Mertens mit erklärendem Vorwort und Anhang versehen hat.
Wie erklären Sie sich Ihre Vorliebe für das Übernatürliche?
Der Grundstein dafür liegt schon derart lange zurück, dass ich darüber nur spekulieren kann. Sicher ist, dass ich als Kleinkind schon mein Interesse dafür entwickelte. Schon mit drei oder vier Jahren stellte ich meiner Mutter stets Fragen über die “Dinge hinter den Dingen”, die sie mir jedoch nicht beantworten konnte. Mit ausschlaggebend war wohl auch der in diese Zeit fallende Tod meiner Großmutter und die Behauptung meiner Eltern, sie sei “in den Himmel geflogen”. Die bildliche Vorstellung hatte für mich etwas Phantastisches, das mich in seinen Bann zog. Hinzu kam, dass ich schon vor meiner Einschulung lesen und schreiben konnte, und dadurch hatte ich sehr früh die Möglichkeit, viel über eben diese Dinge zu lesen. Im Prinzip bin ich daher mit dem Studium paranormaler und esoterischer Wissenschaften aufgewachsen. Dennoch habe ich mir eine gesunde Skepsis erhalten und bin bei der Bewertung angeblich übersinnlicher Phänomene sehr vorsichtig.
Wann haben Sie begonnen zu schreiben?
Das war mit ungefähr zehn Jahren. Zu dieser Zeit, es war in den späten 70ern, hatte ich gerade Edgar Allan Poe für mich entdeckt und versuchte ihm – natürlich vergeblich – nachzueifern. Zeitgleich begann in den Kinos die große Zombiewelle, und die eigentlich für mich noch illegale Teilnahme an den Filmvorführungen animierte mich dazu, es doch mal mit einem Drehbuch zu versuchen. Heraus kam ein blutiger Unsinn namens “Bloody Bones”, in dem sich so ziemlich jede bis dato bekannte Gruselgestalt ein Stelldichein gab. Hinzu kamen einige Kurzgeschichten ähnlicher Machart, von denen sogar noch ein paar in meinem “Giftschrank” unter Verschluss liegen und die mir jedes Mal ein Lächeln abringen. Ich erinnere mich noch gut an einige Deutschlehrer, die meine Aufsätze regelrecht fürchteten. Von einem bekam ich sogar mal das Verbot ausgesprochen, solche Themen zu verwenden, weil ihm bei der Durchsicht jedes Mal schlecht wurde. Während meiner “Flegeljahre” blieben Stift und Schreibmaschine einige Jahre liegen. Erst im Jahre 1988 packte mich die Schreibwut erneut. Es entstanden einige Kurzgeschichten, von denen auch ein paar in meinen “Psychotischen(n) Episoden” enthalten sind. Ich merkte, dass ich mich wesentlich verbessert hatte. Zugleich hatte sich mein Themenschwerpunkt von spektakulärem Zombiehorror zu subtileren Strickmustern verlagert. Als Mitte der 90er Jahre ein Bekannter von mir eine Motorradzeitschrift verlegte, verfasste ich zu diesem Zweck drei entsprechende Geschichten, natürlich mit Grusel- oder Mysteryfaktor (“Die Nacht der Walküren”, “Der Felsen” und “Heldenwind”). Diese kamen schließlich derart gut an, dass ich mich seitdem aktiv der Schreiberei widme.
Was ist Ihr Steckenpferd? Sachbuch oder Belletristik?
Das war noch bis vor einiger Zeit jeweils von meiner Laune abhängig. Als ich um 2000 meine “einsamen Studien” betrieb, hatte ich eigentlich sogar vor, nur Sachbücher mit grenzwissenschaftlicher Thematik zu verfassen. Da ich aber auch im belletristischen Bereich immer wieder Ideen entwickelte, wechselten sich Sachbücher und Geschichten ab. Jedoch hat sich inzwischen ein solcher Berg von geplanten Kurzgeschichten, Erzählungen und Romanen aufgebaut, dass es zu Sachbüchern in absehbarer Zeit wohl eher nicht mehr kommen wird. Zudem waren die bisherigen Echos zu “Psychotische Episoden” und “Geh nicht durch diese Kellertür” derart positiv, dass ich beschlossen habe, mich voll und ganz Phantastik, Horror und Thriller zu widmen. Ganz ausschließen will ich die Möglichkeit eines weiteren Sachbuches aber natürlich nicht.
Wie gehen Sie beim Schreiben eines Sachbuches vor?
In erster Linie ist gerade bei einem Sachbuch natürlich eine gründliche Recherche ein unverzichtbarer Faktor. Es ist ferner immer die Frage, ob man lediglich Fakten zusammentragen will oder eine eigene Theorie vorstellt. In letzterem Fall muss natürlich die Struktur dieser Theorie angepasst werden, damit sie für den Leser verständlich wird. In “Jenseits der Schwelle” habe ich beispielsweise ein Modell des Umdenkens vorgestellt, das exakte Wissenschaften und Esoterik miteinander verknüpfen soll. In einem frühen Kapitel gehe ich zunächst kurz darauf ein und komme bei den immer komplexer werdenden Unterthemen stets darauf zurück. So hat der Leser einerseits einen guten Überblick über die Grundthematik und gleichzeitig weiterführende Gedankenanstöße. Um das sicherzustellen, entwerfe ich zuerst immer das Inhaltsverzeichnis. Zu jedem Kapitel mache ich mir dann Stichpunkte zu den Angaben, die mir besonders wichtig erscheinen. Mein astrologischer Band “Der Gestirnsreigen” basiert dagegen tatsächlich auf Notizbüchern aus meiner eigenen “Studienzeit” um die Jahrtausendwende. Dabei war es mir wichtig, dem Leser nicht zu viel in den Kopf zu pflanzen, sondern lediglich zu erklären, was für die Deutung wichtig ist. Das Prinzip wird nur dargelegt, gedacht werden muss dagegen selbst. So gelang mir ein ebenfalls gut strukturiertes, aber dennoch nicht ausschweifendes oder verunsicherndes Grundlagenwerk. Als Faustregel kann ich für das Verfassen eines Sachbuches daher nur sagen: Ein zuvor sorgfältig ausgearbeitetes Inhaltsverzeichnis ist die halbe Miete.
Wovon lassen Sie sich bei ihrer belletristischen Arbeit inspirieren?
Da gibt es keine bestimmten Kriterien. Es kann passieren, dass ich lediglich auf die Uhr sehe und sich aus der Bewegung des Sekundenzeigers plötzlich eine Idee entwickelt. Im Normalfall benötige ich noch nicht einmal das. Ich bin ein Mensch mit derartigem “Kopfkino”, dass ich vermutlich in der Psychiatrie landen würde, wenn ich nicht das Schreiben als Ventil für mich entdeckt hätte. Weniger freundlich gesonnene Kritiker mögen vielleicht der Ansicht sein, dass ich eben aufgrund meiner Ideen genau da hin gehöre. Im Prinzip ist mir das aber gleichgültig. Während meiner bisherigen Schaffenszeit waren es hauptsächlich Poe und Lovecraft, die mich immer wieder fesselten. Inspiriert haben sie mich sicherlich zum Teil, doch auch bei gelegentlichen Anleihen an Lovecrafts Cthulhu-Zyklus lege ich Wert darauf, eigene Ideen umzusetzen. Ansonsten reichen offene Augen und Ohren, und es kommt auch nicht selten vor, dass ich Elemente aus Träumen in den Geschichten verarbeite. Ich kann daher getrost sagen, dass ich selbst meine größte Inspirationsquelle bin. In fast jeder Geschichte steckt eine kleine Information über mich selbst drin. Was das jeweils ist, bleibt geheim. Jedoch folgt daraus, dass in jeder Story, sei sie auch noch so abstrus, ein Funken Wahrheit steckt.
Wann haben Sie sich dazu entschlossen Ihre Bücher zu veröffentlichen?
Ende der 90er Jahre hatte ich einige der bisherigen Kurzgeschichten zu den “Psychotische(n) Episoden” zusammengefasst und einer Literaturagentur zukommen lassen. Außer einem teuren Lektorat kam aber nichts dabei heraus. So lag das Manuskript bis 2007 in der Schublade. In der Zwischenzeit war mein “Gestirnsreigen” ebenfalls fertiggestellt, und ich trug mich mit dem Gedanken, ihn über den Selbstverlag zu publizieren. Dann stieß ich im Internet auf Print-on-Demand-Anbieter und landete auf einigen Umwegen schließlich bei epubli.
Wie betreiben Sie die Vermarktung Ihrer Bücher?
Momentan sind diese lediglich über die Webseite von epubli zu bekommen. Da sie keine ISBN haben, gelten insbesondere die belletristischen Werke in gewissen Kreisen offenbar als Geheimtipp, wie ich des Öfteren höre. Erstaunlich dabei ist, dass die Absatzzahlen weit unter dem augenscheinlichen Bekanntheitsgrad liegen. Ansonsten verlasse ich mich derzeit auf Webpräsenz, Mundpropaganda und Flyer.
Was erhalten Sie für ein Feedback?
Bislang kann ich mich über schlechte Kritik nicht beschweren, eher ist das Gegenteil der Fall. Ich erhalte in letzter Zeit immer öfter Anfragen, wann das nächste Buch fertig ist. Besonders freue ich mich dabei über positive Rückmeldungen von Schriftstellerkollegen. Hier sind in den letzten Jahren sehr gute und interessante Kontakte zustande gekommen.
Was für Bücher sind noch in Planung?
Ich übertreibe nicht, wenn ich behaupte, dass die kurze Beschreibung aller noch vor mir liegenden Projekte schon einen dicken Wälzer füllen würde. Aus der Unmenge dieser Ideen habe ich – neben einem Prosa- und Gedichtband – zwei für das nächste Buch in die engere Auswahl genommen. Titel und Inhalt werden natürlich noch nicht verraten, doch so viel sei gesagt: Eine davon ist eine paranormale Kriminalgeschichte, in der es ausschließlich Schurken gibt. Die andere wartet mit völlig neuartigen – natürlich bösartigen – Wesen auf, die es in Buch und Film bislang definitiv noch nicht gegeben hat. Welches Projekt davon am Ende zum Zuge kommt, weiß zurzeit nur Schrödingers Katze. Ferner liegen unter anderem einige noch nicht ganz ausgereifte Plots bereit. Einer davon spielt in meiner Heimatstadt Altena, ein anderer, zum Cthulhu-Mythos gehörender, wird wohl drei Bände umfassen. Auch Dr. Lee Stockwell aus “Psychotische Episoden” und “Geh nicht durch diese Kellertür” wird uns irgendwann noch mindestens einmal begegnen. Zunächst wird jedoch das aktuelle Manuskript beendet, mit dem ich meine selbst gesetzte Deadline schon längst überschritten habe, und ich kann versichern, dass dieser Roman die Herzen eines jeden Liebhabers der Horrorliteratur höher schlagen lassen wird.
Die Bücher von J. Mertens im epubli Buch-Shop
Verwandte Artikel:


RSS
Twitter
Facebook
Hallo Herr Mertens,
es hat mir viel Spass gemacht Ihren Erzählungen zu folgen. Fünf Kinder habe ich groß gezogen und deren Kinderbücher immer zuerst gelesen. Dann dachte ich…Das kannst du doch auch. Ich habe vor etlichen Jahren also damit begonnen einen Jugendroman zu schreiben und den sollte dann meine Enkelin bekommen. Der Anfang war nicht schwer, es sprudelte gerade so an Ideen, doch irgendwann war nur noch Luft in meinem Kopf. Es ging nichts mehr. So kam es das der Roman jahrelang in der Schublade verstaubte. Vor ein paar Jahren lernte ich dann einen jungen, noch unbekannten Autor, Michael Benedict, im Internet kennen. Wir freundeten uns an weil wir beide Elvis liebten. Irgendwann erzählte ich ihm von meinem Roman und er bat mich ihn doch mal lesen zu dürfen. Ich schickte ihm das was schon vorhanden war und er war begeistert. Von da an drängte er mich doch weiter zu schreiben. Irgendwann machte ich es auch . Als ich fertig war las er noch mal drüber, ich verbesserte hier und da, veränderte dies und das und dann war es soweit. Das Manuskript schickte ich dann mutig an den Fischer Verlag. Nach etlichen Wochen bekam ich die Antwort, dass sie das Buch gerne in die Kinder und Jugend Belletristik aufnehmen würden. Nun kam die Kostenaufstellung und danach lag der Roman wieder in der Schublade. Ich konnte es mir nicht leisten.Michael hatte sein Buch bei BOD verlegen lassen und riet mir es auch zu tun, doch auch dafür fehlte mir das Geld. Nun bin ich heute durch Zufall im Internet auf diesen Verlag hier gestoßen und somit auch auf Ihren Bericht. Es hat mir wieder Mut gemacht es doch nochmal zu versuchen und mein Buch hier zu verlegen.
Mal sehen was daraus wird.
Ganz liebe Grüße und machen Sie weiter so
M. Jordans
Sehr geehrte Frau Jordans,
diese Probleme sind auch mir nicht fremd – allerdings kannte ich den Fischer Verlag bisher nicht als DKV. PoD ist da immer eine gute Alternative, wenn man Zeit und Muße besitzt, selbst die Werbetrommel zu rühren.
Für Ihr weiteres Schaffen wünsche Ihnen das Allerbeste.
Lieben Gruß
J. Mertens