Geld verdienen ohne Verlag: US-Bestseller-Autoren setzen auf Print-on-Demand und eBooks

31. August 2010
By admin

Bestseller-Autor Seth Godin wird seine Bücher zukünftig direkt an seine Leser verkaufen und schlägt mit der Ankündigung in der Branche hohe Wellen. Andere Autoren könnten schon bald folgen.

Es ist nicht das erste mal, dass ein Bestseller-Autor ein Buch ohne Verlag direkt an seine Leser verkauft und dabei die modernen Möglichkeiten digitalen Publizierens nützt. Bereits vor 10 Jahren hat Stephen King seinen Roman „The Plant“ auf seiner Website in mehreren Teilen zum Download bereit gestellt. Was damals lediglich als Experiment und Intermezzo von traditionellem Publizieren gedacht war und dann mangels Erfolg abgebrochen wurde, scheint für Autoren inzwischen aber als dauerhafte Lösung zu funktionieren: Veröffentlichen ohne Verlag.

Seth Godin hatte letzte Woche angekündigt, bei seinem bisherigen Verlag Portfolio keine weiteren Bücher mehr zu veröffentlichen und zukünftig direkt an seine Fans zu verkaufen. Ein Paukenschlag in der aktuell so verunsicherten Verlagsbranche. Der Autor, dessen letztes Buch „Linchpin: Are You Indispensable?“ seit Januar 2010 über 50.000 mal abgesetzt wurde, ist der Ansicht, dass die Vorteile einer Veröffentlichung ohne einen Verlag für ihn überwiegen.

Tatsächlich ist beispielsweise die Zeit des Veröffentlichungsprozesses – von Betriebswirtschaftlern gerne „Time-to-Market” genannt – bei Self-Publishing wesentlich geringer als bei einer Verlags-Publikation (was in der Regel 12 Monate dauert). Auch behält der Autor beim Publizieren ohne Verlag die absolute Kontrolle über den kreativen Prozess. Er schreibt damit primär für seine Leserschaft und nicht für das Lektorat, was für die Verkaufszahlen durchaus förderlich sein kann. Letztlich aber entscheidend (vor allem für etablierte Autoren wie Seth Godin): das Autorenhonorar pro Buch kann beim Self-Publishing wesentlich höher ausfallen. In Deutschland sind in der Regel 10% des Netto-Verkaufspreises als Marge für den Autoren üblich sind (Hardcover), während bei digitalem Selbstvertrieb in der Regel über 50% bleiben (und natürlich nahe 100% wenn Vertrieb und Billing nicht über einen Intermediär, wie z.B. Amazon, sondern die eigene Website erfolgt).

Seth Godin plant jedoch nicht nur den Vertrieb von eBooks ohne einen traditionellen Verlag, auch als Audiobook, App oder Podcast und vor allem als gedruckte Version per Print-on-Demand will er seine Werke selbst veröffentlichen.

Auch ein deutscher Autor hat Anfang des Jahres auf dem Buchmarkt mit einer ähnlichen Strategie für Furore gesorgt. Markus Albers hat sein Buch „Meconomy“ ohne Verlag als eBook veröffentlicht. Eine gedruckte Version ist per Print-on-Demand bei epubli erhältlich.

Natürlich hat er auf den, für etablierte Autoren üblichen Vorschuss verzichtet. Auch Lektorat, Layout und Marketing mussten selbst organisiert bzw. übernommen werden. Nicht jeder Autor kann bzw. will diese Aufgaben selbst übernehmen oder koordinieren. Die restlichen Autoren jedoch (und zwar nicht nur Bestseller-Autoren), haben im Web 2.0 und mit den Möglichkeiten von Print-on-Demand und digitalem Publizieren inzwischen beste Grundbedingungen um traditionelle Verlagsaufgaben selbst zu übernehmen. Das Buchgeschäft scheint zunehmend auch ohne den klassischen Verlag zu funktionieren.

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3 Antworten auf “ Geld verdienen ohne Verlag: US-Bestseller-Autoren setzen auf Print-on-Demand und eBooks ”

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