Link des Tages: Haben die “alten” Medien an Relevanz verloren?
Passend zum Thema “Relevanz der alten Medien” oder auch Online vs. Offline Medien, berufen wir uns heute auf einen Beitrag aus der Huffington Post. Zur Info: Die Huffington Post wurde als DIE Onlinezeitung bekannt, die in den USA den etablierten Medien das Leben so richtig schwer macht und stellvertretend für eine Entwicklung in den Staaten steht, in der Begriffe wie “Zeitungssterben” oder “Print is Dead” fallen.
Auch epublizisten sind Verfechter der neuen Medien. Das hat nichts mit einer Abneigung gegen die traditionellen Medien zu tun (die mögen wir sogar äußerst gerne! Eure Bücher, die Ihr bei epubli veröffentlicht, zählen schließlich auch dazu
), sondern vielmehr damit, dass wir ungeheure Möglichkeiten für unabhängige Autoren sehen, für ihre Bücher Leser zu finden, Interesse zu wecken und ihre Bücher letztlich auch zu verkaufen.
Nichtsdestotrotz haben auch die etablierten Medien ihre Daseinsberechtigung nicht verloren. Lediglich ihr Einfluss und ihre Macht ist nicht mehr ganz so groß. Zu den Zeitungen, Fernseh- und Radiosendern als mächtigste Meinungsmultiplikatoren haben sich neue Schwergewichte, wie Facebook, YouTube oder Twitter gesellt. Der Unterschied: hier macht das Publikum das Programm. Vorbei die Zeit, als einige wenige Entscheider in den Firmenetagen und in den Redaktionen einzig und alleine bestimmt haben, welches Thema gebracht wird. Heute entscheiden die Nutzer über Relevanz, welche Themen sie interessieren und welche Personen und Inhalte durch die Aufmerksamkeit des Publikums unterstützt werden sollen.
In dem vorgestellten Beitrag der Huffington Post auf der Kommentarseite der renommierten Publizistin und Autorin Arielle Ford schreibt der Marketingexperte Dan Janal in einem Gastbeitrag seine Sicht der Dinge. Auf die Eingangsfrage “Sind die alten Medien in der heutigen Social Media Welt immer noch relevant, um öffentliche Aufmerksamkeit zu bekommen?”, lautet Dan’s kurze und knappe Antwort: You bet.
Im folgenden führt Dan Gründe an, warum die etablierten Medien auch heute noch Bestandteil einer jeden PR- und Marketingkampagne sein sollten. Hier werden die wichtigsten, leicht abgewandelt, auf Self-Publisher gemünzt:
- Glaubhaftigkeit: Wenn ein renommiertes Medium, wie die New York Times oder Die Zeit, lobend über einen Autor und sein Buch berichtet, so erhält er als auch sein Werk viel Glaubwürdigkeit. Ein vertrauensvolles Medium mit einer sehr guten Reputation gilt immer noch als Garant für Qualität. Das dies auch in der Literatur gilt, zeigt sich daran, dass sich positive Rezensionen in den Feuilletons der traditionellen Medien immer noch positiv auf die Verkaufszahlen auswirken. Trotzdem ist derzeit eine große Veränderung im Gange: Was, wenn ich meine Freunde und Bekannte frage und mir von den Menschen, die ich kenne zum Kauf / Nichtkauf eines Buches eines Buches raten lasse? Unser soziales Umfeld hat immer noch den größten Einfluss auf uns. Facebook & Co. liefern mir endlich die Infrastruktur, damit ich Empfehlungen meiner Bekannten bequem abrufen kann.
- Sichtbarkeit: Trotz der Verbreitung von YouTube und Konsorten werden über die etablierten Medien (inkl. Websites der Medienhäuser) täglich Millionen von Menschen erreicht und dienen immer noch als wichtigster Multiplikator von Nachrichten und Informationen. Nichtsdestotrotz: Nach Informationen der ARD/ZDF-Onlinestudie sind 72% der Deutschen jeden Tag online, bei den 20 bis 29 Jährigen sogar 79% – nach Angaben der Bitkom im Durchschnitt 100 Minuten am Tag. Dies zeigt, welche Relevanz Onlinemedien in der täglichen Informationsbeschaffung bekommen haben. Allein YouTube soll für 15% des weltweiten Datenaufkommens verantwortlich sein.
- Verlinkungen: Auch im Webzeitalter haben die etablierten Medienhäuser eine sehr stark Auswirkung auf die Relevanz von Nachrichten, Personen und Produkten. Janal vertritt die These, dass Websites von Medien, die auf die Seite einer Firma oder Person verlinken, eine starke Wirkung auf die Suchmaschinenergebnisse zu der Person / Firma ausüben und die Verlinkungen viele Besucher direkt zum Verlinkten bringen, wodurch die etablierten Medienhäuser weiterhin wichtige Multiplikatoren bleiben. Daran ist vom Prinzip her nichts falsch: Ausgehende Links von großen Nachrichtenseiten haben eine große Bedeutung für die Suchmaschinenergebnisse des Verlinkten und auch aufgrund der eigenen Reichweite können bspw. Zeit Online oder Tagesspiegel viele Leser zu einem Autoren bringen. Der Haken an dieser Argumentation ist allerdings, dass der Autor immer noch dieselben Schwierigkeiten hat, sich und sein Buch überhaupt in dem renommierten Medium präsentieren zu dürfen, so dass die Verbreitung des eigenen Buches über einen Blog und über soziale Netzwerke in den meisten Fällen bessere Ergebnisse haben wird.
- Das Ego: Hier stellt sich die grundsätzliche Frage (und beantwortet sich sogleich), ob sich ein Autor eher davon geschmeichelt fühlt, von Lieschen Müller in einem Tweet erwähnt worden zu sein, oder wenn sich das Feuilleton der FAZ ob des neuen Buches des Autors vor Begeisterung überschlagen hat. Da ist mit Sicherheit viel Wahres dran. Nichtsdestotrotz sollte ein Autor mit dem notwendigen Realismus ans Werk gehen und einsehen, dass die obersten Kulturrichter in Deutschland nicht so einfach zu überreden sind, ein Werk zu rezensieren. Trotzdem: Mit viel Herzblut Lesungen im ganzen Land zu organisieren, am nächsten Tag ein freundliches Feedback auf dem eigenen Blog oder bei Facebook zu erhalten und vielleicht einen Beitrag in der Lokalpresse abzustauben kann genauso befriedigend sein und wird ebenso langfristig von Erfolg gekrönt sein.
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