Gastbeitrag: 8 Tipps für erfolgreiches Buchmarketing mit Social Media

12. Juli 2010
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(von Albert Pusch) Erfolg ist nicht nur eine Frage der Qualität. Hier ein Beispiel: Joshua Bell gehört zur Weltelite der klassischen Musiker, für einen Versuch stellte sich Bell an einem Freitagmorgen mutterseelenallein in die Washingtoner Metro, in einfacher Straßenkleidung, aber mit einer mehrere Millionen Euro teuren Violine. Obwohl er ein Meisterwerk nach dem anderen spielte, liefen über tausend Menschen an ihm vorbei, ohne ihn weiter zu beachten oder gar etwas Geld in den vor ihm stehenden Geigenkoffer zu werfen. Wer Menschentrauben erwartet hatte, wurde enttäuscht; am Ende lagen 32 Dollar in seinem Koffer. Ähnlich wie Bell in diesem Versuch ergeht es Autoren, die Zeit, Ort und das Marketing unterschätzen.

Social Media Marketing war im letzten Jahr vor allem für die Pioniere sehr erfolgreich, in diesem Jahr ziehen zahlreiche Verlage und Autoren nach. Eine wesentliche Aufgabe der Verlage besteht darin, Autoren ein Umfeld zu schaffen, dass ihnen den direkten Dialog mit den Fans erlaubt. Wer keinen Verlag hat, muss sich diesen Raum selbst schaffen…

Hier einige Tipps zur Buchvermarktung:

Erfinden Sie einen einzigartigen Autorennamen um bei Google gefunden zu werden. Wer „Christian Müller“ heißt wird es schwer haben, die ersten Plätze bei Google zu besetzen. Checken Sie Ihren Namen bei Google und falls zu viele Einträge zu anderen Namensvettern vorhanden sind, erfinden Sie ein einzigartiges Pseudonym. Achten Sie darauf, dass der Name dennoch einfach und phonetisch ist. Einfach und einzigartig ist schwer zu bewerkstelligen, aber mit Googles Hilfe finden Sie den richtigen Namen.

Starten Sie einen Blog. Haben Sie keine Angst vor dem technischen Aufwand, es gibt heute simple Blog-Plattformen und umfassende Hilfestellung im Web, so dass der Einstieg kinderleicht ist. Die Kunst besteht darin ein Thema zu finden, dass Sie nicht langweilt, wenn Sie Woche für Woche, Monat für Monat darüber schreiben. Wenn Sie ein Fachbuch schreiben ist es kein Problem – Sie schreiben über Ihr Fachgebiet. Wenn Sie einen Roman schreiben, dann bloggen Sie vielleicht über Ihre Schreibgewohnheiten, Tipps zum Schreiben oder einen Schwank aus Ihrem hoffentlich spannenden Leben. Vielleicht veröffentlichen Sie auch gleich Ihre Geschichte, immer dann, wenn Sie eine Seite fertig geschrieben haben. „Wie soll ich es dann verkaufen?“ – werden die Skeptiker fragen: Glauben Sie mir, ein erfolgreiches Buchblog werden Ihnen die Verlage aus den Händen reißen, diese Bücher nennen sich dann Blooks. Außerdem bekommen Sie über Kommentare und Mails direkte Anregungen und Tipps von Ihren Lesern.

Vernetzen Sie sich mit der Buchcommunity. Aus meiner Sicht als PR-Mensch würde ich dringend empfehlen, sich schnellstens um die Special-Interresst-Plattformen der Buchbranche (Communities, Blogs und Fanpages auf Facebook) zu kümmern – egal ob Verlag oder Autor. Wer jetzt die Beziehungen zu den „Meinungsführern“ und „Gatekeepern“ der Buchbranche gewinnt, wird langfristig davon profitieren. Die Buch-Community LovelyBooks ist dafür die richtige Plattform und hat sich ein spannendes Netzwerk zu den deutschen Buchbloggern aufgebaut. Wer über Word-of-Mouth Kommunikation in die digitale Vermarktung einsteigen möchte, sollte hier ansetzen. Außerdem gibt es hunderte Blogger, die Rezensionen schreiben, Bücher lieben und Gleichgesinnte schätzen.

Messen Sie den richtigen Titel. Denken Sie der Titel Ihres Buches ist Geschmacksache? Weit gefehlt, mit einigen Tricks finden Sie den Titel, der sich am besten verkauft. Schreiben Sie mehrere Titel und testen Sie sie mit Google AdWords Kampagnen, wählen Sie den Titel, der am häufigsten angeklickt oder besser „gekauft“ wurde. Lassen Sie die Besucher auf einer eigenen Landingpage „landen“ und fordern Sie sie auf, eine Mailadresse für nähere Informationen zu hinterlassen. Jede Adresse wird als Kauf gewertet, damit tappen Sie nicht in die Falle, den reißerischen Titel, der viele Klicks verursacht vorzuziehen, obwohl ein anderer mehr Conversions erzielt. Auf die gleiche Weise lassen sich auch Ihr Cover, Untertitel und Schwerpunkte des Buches testen.

Vergessen Sie Ihre lokalen Kontakte nicht. Gehen Sie in die kleineren Buchläden, kaufen Sie dort ein und unterhalten Sie sich mit den Mitarbeitern oder Besitzern. Wenn man Sie kennt, sind sie sicher offen dafür, Ihr Buch testweise auszulegen oder sogar eine Lesung zu veranstalten. Bibliotheken und Lesegruppen in Ihrer Stadt sind wundervolle Orte um Feedback zu bekommen und dabei interessante Menschen kennen zu lernen.

Lassen Sie Kommentare auf Amazon schreiben. Wenn Ihr Buch erst einmal bei Amazon gelistet ist, dann fordern Sie Ihre Leser, Bekannte und Freunde auf, dort eine Bewertung und eine kurze Rezension zu hinterlassen (schreiben Sie es direkt ins Buch). Selbst wenn dabei nicht nur fünf-Sterne Bewertungen heraus kommen, wird sich Ihr Buch besser verkaufen, wenn es Menschen gibt, die „Sie“ gelesen haben. Das Prinzip ist ähnlich wie das mit dem leeren Restaurant neben dem brechend vollen Restaurant – in welches würden Sie gehen?

Klauen Sie wie ein Rabe. Sie haben einen erfolgreichen Lieblingsautor? Schauen Sie sich an, welche Maßnahmen der Verlag im Netz und Offline durchführt. Vermutlich haben Sie nicht die Mittel um es genau so zu machen, aber mit genügend Beispielen zahlreicher Autoren und Ihrer Kreativität, schaffen Sie sich Ihr eigenes kleines Marketing-Imperium.

Schreiben Sie Gastbeiträge. Wenn Sie ein spannendes Thema haben, dass Sie auf einem der zahlreichen Blogs anbieten können, dann schreiben Sie die Autoren der Blogs an und veröffentlichen Sie Ihre Story dort, dass können Tipps sein oder interessante Geschichten. Mit einem Link zu Ihrem Webauftritt werden Sie neue Kontakte zu Lesern bekommen, die vielleicht bald darauf Ihr Buch in den Händen halten.

Wer nach drei Blogartikeln erwartet hunderte von Fans zu haben und seine Bücher ausverkauft zu sehen, der sollte sich das schnell aus dem Kopf schlagen. Es gibt keine Wundermittel, nur harte Arbeit und clevere Entscheidungen. Je nach Aktualität des Themas und dem Engagement des Autors können sich dennoch schnell Erfolge einstellen. Kontinuität und echter Mehrwert bei der Inhaltsgestaltung sind ausschlaggebend für den Erfolg Ihrer Marketing-Aktionen und Ihres Buches.

Die meisten Autoren ohne Verlag schreiben Bücher nicht um stinkreich zu werden, sondern weil sie etwas hinterlassen möchten. Dieser Artikel richtet sich an die Autoren, die ihren Erfolg auch finanziell messen möchten. Sie waren verrückt genug ein Buch zu schreiben, seien Sie jetzt verrückt genug, es erfolgreich zu vermarkten!

Hat Ihnen dieser Artikel weitergeholfen? Schreiben Sie mir Ihre Gedanken oder Kritik über meine Website oder folgen Sie mir auf Twitter.

Albert Pusch

Über den Autor:
Albert Pusch berät bei der Gestaltung des Social Media Marketing, Online-PR und dem Echtzeitmarketing. Gemeinsam mit Daniel Hoffmann schreibt er auf www.socialmedia-blog.de über Tipps & Tricks zu Public Relations und Online-Marketing im Social Web.

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8 Antworten auf “ Gastbeitrag: 8 Tipps für erfolgreiches Buchmarketing mit Social Media ”

  1. Regina Deckart - marketingshop blog on 12. Juli 2010 at 10:52

    Hallo!

    Wirklich gute Tipps, vielen Dank. Besonders die Sache mit dem Autorennamen ist ein sehr guter Punkt in Zeiten von Online Reputation Management, Personensuchmaschinen usw.

    Wir haben in unserem Blog gerade Bernd Röthlingshöfer zum Thema Autoren-Marketing befragt. Auch er hat einige praktische Tipps für Autoren und Selbstverleger, die vielleicht eine gute Ergänzunge zu diesem Beitrag hier sind: http://blog.marketingshop.de/interview-autoren-marketing-selbst-ist-der-buchautor/

    Viele Grüße
    Regina Deckart

  2. Katinka on 12. Juli 2010 at 14:34

    Hallo zusammen!

    Regina, genau so sehe ich das auch.
    Besonders gut gefällt mir an dem Artikel, dass Albert Pusch nichts beschönigt. Man muss schon wirklich hinterher sein, damit man in den Weiten des Netzes nicht verschütt geht.

    Es ist zwar relativ simpel, einen Blog aufzuziehen oder sich eine Facebook Profilseite anzulegen – doch das Ganze muss auch mit interessanten Inhalten befüllt und ständig aktualisiert bzw. gepflegt werden; dabei darf man ruhig auch etwas frecher als Andere sein…

    P.S.: Danke für Deinen Link!

  3. Albert Pusch on 12. Juli 2010 at 17:33

    Hallo,

    vielen Dank für das positive Feedback. Es gibt sicher noch viele andere Tipps und Erfahrungen, die Autoren bei der Vermarktung gemacht haben …

    Vielleicht können wir weitere Tipps hier in den Kommentaren sammeln?!

    Würde mich sehr freuen,
    Al

  4. Annika Häuser on 16. Juli 2010 at 10:56

    Hallo Albert,

    hab noch ne kleine Ergänzung zur Kategorie „Klauen Sie wie ein Rabe“

    Adam Singer zeigt bei slideshare unter: http://www.slideshare.net/AdamSinger/how-and-why-to-create-remarkable-digital-content-4732255
    auf Folie 55 „A clever video to promote a book“ wie Eric Qualman sein Buch „Socialnomics“ nach vorn gebracht hat.

    Also Ihr Autoren da draußen, ich würd mich freun noch mehr solche tollen Videos zu sehen 🙂

    Viele Grüße,
    Annika

  5. Max on 16. Juli 2010 at 11:06

    Hallo Annika,

    vielen Dank für den Link. Leider funktioniert das unter Slideshare verlinkte Video in Deutschland nicht… Ich denke mal, dass es sich um dieses hier handelt 😉 http://www.epublizisten.de/2010/05/link-des-tages-social-media-revolution-2/

  6. Albert Pusch on 16. Juli 2010 at 18:13

    @Annika: Videos und Bücher sind klasse! Vor allem hat sich das Qualman-Video als Standard jeder Social Media Einführungsveranstaltung gemausert.

    Aber ich würde sogar noch einen Schritt weiter gehen und sagen: Fachbücher dürfen QR-Codes enthalten, die auf exklusive Video-Inhalte verweisen. Stell dir einen Medizinstudenten vor, der ein Fachbuch liest und dann via Handy auf Originalaufnahmen einer OP oder eines 3D Modells zugreift. Noch ist das sehr kostspielig, aber wäre die Verschmelzung der Medien. Mehr zum Thema Content-Enrichment findet sich in dem Artikel: „Die Digitale Verwüstung“ (oben unter lesenswertes)

    @Max: Danke dir für die Ergänzung des Videos.

    Ein schönes und hoffentlich digitales Wochenende an euch alle!;)

    Gruß,

    Al

  7. Claus Wolfgang Hemmann on 14. März 2011 at 15:55

    …ich fand diese Seite ganz toll. Warum aber bitte hat alles am 12.Juli 2010 angefangen und war am 16.Juli 2010 schon wieder zu Ende. Insgesamt sechs Beiträge zum Thema Buchmarketing finde ich schon sehr sparsam.
    Albert Pusch scheint zu wissen von was er schreibt und Keiner hat Interesse mehr zu erfahren?
    Ich versuche immer wieder für mein Buch zu werben… denn wer nicht das Geld für einen teuren Verlag aufbringen kann >so wie ichauch so wie ich< !
    http://www.epubli.de/shop/buch/GELEBTES-LEBEN-30-Jahre-trocken-Claus-Wolfgang–Hemmann-9783869317687/4504

  8. admin on 18. März 2011 at 11:58

    Lieber Herr Hemmann,

    vielen Dank für Ihr Feedback. In der Tat weiß Albert Pusch sehr genau, wovon er schreibt und wir sind sehr froh, ihn für diesen Gastbeitrag gewonnen zu haben 🙂 Die Anzahl der Kommentare ist zwar überschaubar, sagt aber nicht unbedingt etwas über das Interesse der Leser aus. Immerhin haben diesen Beitrag über 40 Leute bei Twitter und über 30 bei Facebook empfohlen.

    Zusätzlich zu diesem Artikel finden Sie auch in anderen Beiträgen auf epublizisten mehr zum Thema Buchmarketing. Teilweise sind es Autoren, die in einem Interview den ein oder anderen Tipp geben aber auch andere Hinweise, wie z.B. „Ratgeber: Das Buch in den Laden bringen“ (http://www.epublizisten.de/2010/09/ratgeber-das-buch-in-den-laden-bringen/) oder „Mitstreiter für das eigene Buch finden“ (http://www.epublizisten.de/2010/12/mitstreiter-fuer-das-eigene-buch-finden/) sollen hier helfen. Einfach mal durchklicken 🙂

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