Gastbeitrag: Mein Weg zum Buch (von Betty Kay)

19. Mai 2010
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Davor und danach – Mein Weg zum Buch

Am Anfang war das Wort

Manche Autoren schreiben, um der Worte willen. Jeder Text, ob Geschichte, Gedicht oder ganzes Buch, wird bereitwillig mit allen Freunden und Verwandten geteilt und zur freien Verteilung zur Verfügung gestellt. Andere haben das Ziel veröffentlicht und dadurch bekannt zu werden, vielleicht sogar ein Zubrot für ihre geistige Arbeit zu erhalten. Zur zweiten Gruppe zähle ich mich selbst, und an diese ist dieser Beitrag auch gerichtet. Als Autoren sehen wir uns allerdings einigen Problemen gegenüber, bevor wir unser eigenes Buch endlich in Händen halten können. Dies sind einige der Erfahrungen, die ich auf meiner Reise zum Buch gemacht habe.

Kurz zu mir: Der Beginn meiner schriftstellerischen Karriere startete unspektakulär. Nachdem ich mich in meiner Jugend mit Gedichten beschäftigt hatte, versuchte ich mich im Alter von achtzehn Jahren an einem Roman. Damals dachte ich nicht daran, jemals ein Buch fertig zu schreiben. Es war lediglich ein harmloses Spiel mit Worten, denn zu diesem Zeitpunkt fehlten mir zwei Dinge: Erfahrung und Ausdauer.

Erst ungefähr zehn Jahre später 2006 fühlte ich mich bereit, die Reise zu beenden. Ich vollendete zwei in früheren Jahren begonnene Bücher und erfand danach die vierteilige Krimireihe Mystic Wings. Innerhalb eines halben Jahres stellte ich alle vier Teile in Rohfassung fertig. 2008 habe ich die Reihe im Selbstverlag tredition GmbH veröffentlicht. Demnächst erscheint meine Kurzgeschichtensammlung „Arbeitsplätze“ im Testudo-Verlag.

Der Weg ist nicht immer das Ziel

Jede schriftstellerische Reise startet mit der Idee zu einem Buch. Danach beginnt die Phase der Planung, die wohl genauso aufregend sein kann wie die ersten Schritte einer Wanderung. Doch der Weg ist lang, der Marsch führt mich nah an meine Grenzen. Ich arbeite bis zur geistigen Erschöpfung auf ein Ziel hin. Auch wenn ich an einer Zwischenstation glaube, nicht mehr weiter zu können, gehe ich doch noch einen Schritt und taste mich zum Abgrund vor. Und dann genieße ich endlich den Ausblick mit dem Bewusstsein, dass das Ergebnis die Anstrengung wert war.

Die Idee für ein Buch allein reicht nicht. Beim Fertigstellen handelt es sich um die größte Herausforderung. Bei einem neuen Projekt komme ich an ein Kapitel oder eine Szene, die mir wie ein unbezwingbarer Steilhang erscheint. Ich habe gelernt, an diesen Stellen nicht aufzugeben, sie nicht einfach auszulassen, um sie an einem günstigeren Zeitpunkt zu schreiben. Denn der kommt vielleicht nie. Ich muss auch der Versuchung widerstehen, mich auf den erreichten Zwischenstationen auszuruhen. Der Weg selbst ist nicht immer das Ziel.

Um im Schreiben mehr als ein Hobby zu sehen und Bücher fertig zu stellen, braucht man vermutlich ein gewisses Maß an Selbstaufgabe und Besessenheit. Das Schreiben muss man genauso als Beruf sehen, bei dem manche Bereiche keinen Spaß machen. Wenn man bedenkt, dass man neben der Schriftstellerei noch einen Brotberuf auszuüben hat, kommt einem die Angewohnheit zugute, sich in ein Problem zu verbeißen. Mit Hartnäckigkeit gelangt man zum Ziel. Und das wünsche ich allen, die dies lesen: Liebe zum Wort und jede Menge Geduld.

Schreiben kann man (nicht) lernen

Jeder kann schreiben. Doch wenn man den Anspruch erhebt, dass das Ergebnis einen gewissen Standard erreicht, dann können einem Ratgeber helfen, die Möglichkeiten einer Geschichte besser einzuschätzen. Ohne Zweifel funktioniert die Schriftstellerei ähnlich wie Radfahren. Die Grundlagen sollte man beherrschen, bevor man durch beständiges Üben immer besser wird. Natürlich kann man auch ein gutes Buch fertig stellen, wenn man nicht daran glaubt, etwas aus Schreibratgebern lernen zu können. Doch jeder Ratgeber, den ich gelesen habe, hat mir weitergeholfen. Jeder hat mich etwas Neues entdecken lassen. Und jeder weckte meine Phantasie. Am Meisten beeindruckt haben mich allerdings „Wie man einen verdammt guten Roman schreibt“ von James N. Frey und „Über das Schreiben“ von Sol Stein.

Für ein erfolgreiches Werk gilt es Einzigartiges zu schaffen. Das Rad lässt sich nicht neu erfinden, doch einzigartige Charaktere sind ein guter Anfang. Ein Autor muss ein Gespür für Szenen und die Details haben, die man hervorstreichen bzw. weglassen sollte. Und das kann man sich leider nur schwer alleine beibringen, wenn man die Feinfühligkeit nicht besitzt. Wie steige ich am Besten in eine neue Szene ein, welche alltäglichen Abläufe kann ich getrost unerwähnt lassen, welche Gedanken und Überlegungen erwähne ich ausführlicher, um die Gefühle meines Protagonisten verständlich zu machen? Hat man selbst Probleme mit der Beurteilung solcher Entscheidungen, sind Testleser von Vorteil.

Die Sichtweise von Freunden und Bekannten mag dem Ego schmeicheln. Wirklich beurteilen kann einen Text allerdings besser ein Autorenkollege. Er hat das Hintergrundwissen, um bei Fehlern, die ein „gewöhnlicher“ Testleser nur als holprige Stelle empfindet, die passenden Verbesserungsvorschläge zu geben. Man darf allerdings nie aus den Augen verlieren, dass es sich bei dem beurteilten Buch um das Eigene handelt. Man muss sich treu bleiben. Man sollte auch die notwendigen Änderungen dem ureigenen Stil anpassen. Und man muss an sich glauben. Indem ich mein Buch der Öffentlichkeit präsentiere, setze ich mich der Kritik von Fremden aus. Deswegen hilft es, sich vorweg allein im Kämmerchen mit den möglichen Einwänden zu befassen und Argumente für sein Werk zu sammeln. Vielleicht stößt man dabei auf die eine oder andere Ungereimtheit und kann sie selbst ausbügeln. Besser zu viel Zeit in die Vorbereitungsphase investieren, als später von jemand anderem darauf gestoßen zu werden. Hat man das Glück, einen Kollegen um Rat fragen zu können, steht einerseits ein professioneller Blickwinkel zur Verfügung, andererseits besteht aber auch die Gefahr, ein Gemeinschaftswerk zu schaffen. Dieses Risiko sollte man im Hinterkopf behalten.

Hilfe von Kollegen suchen

Nicht nur als „Hobbylektoren“ sollten andere Schriftsteller gefragt sein. Sobald die Veröffentlichung – auf welche Art auch immer – erfolgt ist, sind Kollegen unschätzbare Lieferanten von Kontakten und Erfahrungen. Ich habe das Glück, Anfang 2010 als Mitglied im Künstlerverein ART Schmidatal, einer regionalen Vereinigung von Malern, Musikern, Fotografen, Schriftstellern und anderen Kreativen, aufgenommen worden zu sein. Für Werbemaßnahmen – unter anderem in Zeitschriften – und Lesungen stehen mir dadurch ganz andere Möglichkeiten zur Verfügung, als es für mich als einzelne Person der Fall wäre.

Ich denke, ich und viele andere Autoren zählen zu den Einzelgängern. Unter uns gibt es exzentrische Sonderlinge und manchmal schlechte Gesellschafter. Um kreativ sein zu können, brauche ich auch Zeit für mich und habe den Kopf in anderen Sphären. Deswegen ist eine Zusammenarbeit unter Schriftstellern nicht immer leicht. Wenn es aber funktioniert, dann kann sie wunderbar inspirierend und befruchtend sein. Vielleicht existiert ja bereits eine Autorengruppe in der Nähe, oder man versammelt selbst Gleichgesinnte um sich. Das Internet bietet glücklicherweise jede Menge Möglichkeiten, sich mit Menschen aus aller Welt zu vernetzen. Ich nutze hauptsächlich Facebook und Twitter, weniger oft Xing, meinVZ sowie myspace, um meine Arbeit vorzustellen, und kann nur jedem Autor empfehlen, sich die Gelegenheit zum Austausch mit anderen Schreibenden nicht entgehen zu lassen.

Zum Schluss

Ob ich auf meiner Reise getane Dinge bereue? Ich würde lügen, wenn ich nein sagen würde. Stünde ich noch einmal vor der Entscheidung, meine Krimireihe sofort zu veröffentlichen oder noch zu warten, würde ich mir mehr Zeit geben. Ich würde mich nicht so unbedarft und blauäugig in das Abenteuer stürzen. An meinen Büchern würde ich im Nachhinein einige Dinge ändern. Allerdings habe ich durch die Veröffentlichung auch wichtige Erfahrungen gemacht und Kontakte geknüpft, die ich nicht missen möchte.

Ich wünsche jedem Kollegen alles Gute auf dieser Reise, die jedes Mal anders ist, jedes Mal mitreißend, überwältigend und die eigene Welt verändernd. Viel Erfolg und hohe Verkaufszahlen!

Kontaktdaten

Bettina Kiraly alias Betty Kay
Birkenallee 11
3704 Großwetzdorf, Österreich
Tel: 0043 / 676 / 948 72 31
e-mail: bettina@betty-kay.at
homepage: www.betty-kay.at

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