Umbruch der Buchbranche: Lernen von Musikern

14. März 2010
By Alex

Während die Musikindustrie ihren großen Umbruch schon verspürte, sind die Veränderungen im Verlagswesen noch im vollem Gange. Durch die Verbreitung des Internets und der damit einhergehende rasante Anstieg illegaler Downloads, wird die Musikbranche nun schon seit einigen Jahren in ihren Grundfesten erschüttert. In der Folge änderten die Plattenfirmen ihre Politik bezüglich des Aufbaus neuer Künstler. Früher konnten durch den Aufbau eines international erfolgreichen Künstlers andere kommerziell nicht so erfolgreiche Künstler mitfinanziert werden. Diese Rechnung geht nicht mehr auf; das Geschäftsmodell der etablierten Musikindustrie wankt bedrohlich. Das Resultat ist eine Tendenz zum Bestseller, so dass es unabhängigen Musikern heutzutage deutlich schwerer fällt, einen Plattenvertrag zu bekommen.

Warum schreibt epublizisten über Musiker und nicht über Autoren? Tatsächlich lassen sich einige Entwicklungen der Musikindustrie vermehrt im Verlagswesen beobachten. So erlebt die Buchbranche durch die Verbreitung von eBooks derzeit eine gewisse Digitalisierung, die jedoch nicht mit der Digitalisierung in der Musik verglichen werden kann. Musik, als rein akustisches Erlebnis, ist plattformunabhängig. Für die meisten Hörer ist es egal, ob sie Musik von einem physischen Datenträger (z.B. CD) oder als mp3-Datei konsumieren. Liebhaber der Schallplatte seien an dieser Stelle ausgeschlossen (tatsächlich erlebt Vinyl in den letzten Jahren ein Comeback!). Mit dem Leseverhalten ist es etwas anders: viele Leser schätzen das physische Buch aus rein emotionalen Gründen: sei es Nostalgie, die Haptik oder auch der Geruch. Außerdem können sich viele Menschen nicht vorstellen, z.B. einen Roman auf einen Bildschirm zu lesen und bevorzugen das Werk nach dem Lesegenuss im Regal stehen zu haben, als auf einer anonymen Datenbank. Ebooks sprechen, abgesehen von der inhaltlichen Auseinandersetzung des Textes, einen anderen Lesertyp und somit auch andere Bedürfnisse an und können vielmehr als Ergänzung zu herkömmlichen Büchern betrachtet werden, nicht aber als ihre Konkurrenz. Ein himmelweiter Unterschied zu dem vorab beschriebenen Wandel der Musikindustrie!

Eine weitere Entwicklung in der Buchbranche sind zunehmende Konzentration und Konkurrenzdruck auf Verlegerseite. Kleinere Verlage haben es immer schwieriger, unabhängig am Markt zu bestehen. Als Folge schließen sich immer mehr Verlage großen Konzernen an, während ein Großteil auch einfach keine wirtschaftliche Perspektive mehr sieht und die Pforten schließt. Für den Autor wird es als Konsequenz deutlich schwieriger bei einem Verlag unterzukommen, oder aber sein kleiner Verlag kann seine Aufgaben aus finanziellen Gründen nicht mehr befriedigend wahrnehmen. Ferner zeichnet sich auch bei den großen Verlagen ein Trend zum Publizieren von Bestsellern ab.

Schwarzmalerei an allen Fronten? Nicht ganz. Zurück zur Musik: Die technischen Entwicklungen der letzten Jahre bieten mittlerweile viele Möglichkeiten für Musiker, auch ohne große Plattenfirma im Rücken Musik zu produzieren, zu verkaufen und mit Hörern in Kontakt zu treten. Immer mehr Musiker nehmen das Zepter selbst in die Hand und arbeiten komplett losgelöst von einer Plattenfirma. Organisation von Auftritten, Mobilisierung der Hörer, Vermarktung und Verkauf der eigenen Musik lassen sich ohne großen finanziellen Aufwand mit den Möglichkeiten des Internets selbst realisieren. Mit Book on Demand Diensten, wie z.B. epubli, stehen auch unabhängigen Autoren die Möglichkeiten zur Publikation des eigenen Buches ohne etabliertes Verlagshaus offen. Kleinstauflagen lassen sich mittels moderner Print on Demand Technologien preiswert realisieren (ganz nebenbei erhöht sich so auch der Anteil des Umsatzes pro Buch für den Autor). Produktion und Vertrieb des Buches sind somit gewährleistet.

Auch in der Vermarktung stehen Autoren ganz andere Möglichkeiten offen, als noch zehn Jahre zuvor. Wer sich schon ein wenig auf epublizisten eingelesen hat wird festgestellt haben, dass eine schier unerschöpfliche Quelle an Social Media Plattformen Gelegenheiten bietet, die eigenen Leser zu finden, deren Interesse zu wecken und so anschließend Bücher zu verkaufen. Musiker organisieren und vermarkten sich schon länger sehr erfolgreich über Portale, wie z.B. Myspace, Facebook oder YouTube. Manch ein Musiker hat mittels dieser neuen Vermarktungsmöglichkeiten schon den ganz großen Durchbruch geschafft (siehe Artikel auf Zeit Online)! Nun liegt es auf der Hand, dass auch unabhängige Autoren diese Möglichkeiten für sich nutzen sollten. Nachdem Produktion und Vertrieb des Buches schon durch epubli gelöst wurde, wird mit dem Marketing eine andere Kernaufgabe des klassischen Verlags durch den Autor übernommen. Neben den Vorteilen der preiswerten Umsetzung und der absoluten Unabhängigkeit von traditionellen Verlagsstrukturen, treten Autoren durch Social Media Marketing in einen persönlichen Dialog mit ihren Lesern ein und schaffen mehr Interesse, Loyalität und eine persönlichere Bindung, da der interessierte Leser sein Feedback zum Buch, zum letzten Blogeintrag oder auch zur letztlich beigewohnten Lesung geben kann.

Etwas versteckt kommt der Link des Tages heute am Ende des Artikels :) Wer der englischen Sprache mächtig ist, findet auf Mashable noch ein paar interessante Aspekte, wie Musiker über Social Media Kanäle mit ihrer Hörerschaft in Kontakt treten. Vielleicht findet sich noch die ein oder andere Anregung zur Vermarktung des eigenen Buches. Viel Spaß!

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3 Responses to “ Umbruch der Buchbranche: Lernen von Musikern ”

  1. Ralph Möllers on 14. März 2010 at 14:14

    “Ferner zeichnet sich auch bei den großen Verlagen ein Trend zum Publizieren von Bestsellern ab.”
    Nun, dieser Trend zeichnet sich seit Erfindung des Buchdruckes ab. Auch als kleiner Verlag versuche ich ausschließlich Bestseller zu publizieren, auch auf ausdrücklichen Wunsch meiner Autoren übrigens.
    Aber Ihr habt natürlich Recht, die Sitaution für die kleinen und mittleren Verlage wird unerträglich. Für viele Autoren ist ein book on demand Service ein Ausweg, allerdings fehlt dann eben auch die professionelle Hilfe von Lektorat, Herstellung, Marketing und Vertrieb.
    Für Die Social Media Plattformen bruacht man dann aber zwingend Technologien, sein Buch auch optimal zu empfehlen. Einfach nur der Link auf die Buch-Detailpage beim jeweiligen Service reicht sicher nicht. “Virale Leseproben”, die sich im Netz verbreiten können (z.B. das book2look Widget oder vergleichbare Lösungen), sind unerläßlich.

  2. Alex on 14. März 2010 at 14:28

    Hallo Ralph,

    vielen Dank für Deinen Kommentar.

    Es stimmt, dass einfaches Verlinken nicht des Rätsels Lösung ist und es mehr Bedarf. Ich bin mir aber sicher, dass mit der richtigen Einarbeitung die Lernkurve im Social Media Marketing sehr steil ist und ein jeder Autor davon profitieren kann!

    Bezüglich den kleinen und mittleren Verlagen: Ich glaube, dass hier auch Mittelwege helfen können. So kann zum Beispiel der Verlag die Bücher über einen Book on Demand Service drucken lassen und sich stattdessen auf wichtige Kernaufgaben, wie z.B. Lektorat und Marketing konzentrieren. Das bündelt die Kräfte an den Stellen, bei denen der Verlag einen großen Mehrwert bieten kann, um sich voll und ganz als Dienstleister am Autoren und Leser zu positionieren. Die Initiativen mancher unserer Wettbewerber (Stichwort: wir verkaufen Dir ein Marketingpaket) halte ich für Augenwischerei und Abzocke, von der die Autoren nicht profitieren!
    Einfach mal bei epubli melden, da findet sich schon eine Möglichkeit, wie man als kleiner oder mittlerer Verlag doch noch von der Entwicklung profitieren kann :)

  3. uberVU - social comments on 14. März 2010 at 21:17

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